Wandern auf den Großen Rachel

Blick bei Sonnenaufgang zum Lusen

Blick bei Sonnenaufgang zum Lusen im Bayerischen Wald

Wandern im Kern des Nationalparks Bayerischer Wald

Um den zweithöchsten Berg des Bayerwaldes zu bezwingen, steigen Wanderer in Spiegelau in den Igelbus in Richtung Gfäll. In zehn Fahrminuten erreicht man so den Ausgangspunkt der Tour. Neben der für Privat-Kfz tagsüber gesperrten Straße verraten umgestürzte Bäume, dass wir uns im Kerngebiet des Nationalparks befinden. »Natur Natur sein lassen« heißt die Devise.

Ab Gfäll folgen wir dem »Auerhahn« (auf der Karte gegen den Uhrzeigersinn). Teils flach, teils in sanftem Auf und Ab geht es auf einem breiten und lichten Waldweg über die Schwarzach hinweg in Richtung Rachelsee. Ab Schutzhütte Feistenberg wird der Steinkopf (1135 m) umrundet, der Pfad führt nun ein wenig über Stock und Stein. Nach insgesamt rund 45 Gehminuten biegen wir links in eine Forststraße und folgen ihr knapp 15 Minuten lang. Erst über den Seebach hinweg, dann an ihm entlang verläuft der anfänglich gekieste Weg bergwärts zum Rachelsee.

Der Rachelsee und die Höllenuhr

Der Rachelseemit seinen 13 Metern Tiefe ist der einzige natürliche See innerhalb des Nationalparks Bayerischer Wald (die Arberseen liegen außerhalb des Nationalparks). Das idyllisch gelegene Gewässer verdanken wir der letzten Eiszeit, die vor 12 000 Jahren endete. An seinen Ufern betteln Enten routiniert um Futter, sollten allerdings nicht erhört werden. Dass es im See keine Fische gibt, erklärt die Sage mit dem Schlag der Höllenuhr, Biologen weisen auf das sauere Milieu hin. Ein Stück zurück und um die Schutzhütte herum weist der »Auerhahn« in Richtung Rachelkapelle. Der als »beschwerlich« bezeichnete, steinige Pfad führt zunächst noch anständig bergwärts.

Vor der Rachelkapelle mit ihrem herrlichen Seeblick geht es einige Schritte hinab, die letzten Meter steil. Das hölzerne Gotteshaus erbaute ursprünglich ein Forstmeister zum Dank, einmal bei Nebel an der Seewand vor dem Absturz gerettet worden zu sein. Je weiter wir uns dem Gipfel nähern, desto steiniger und steiler wird der Pfad. Zwischen Heidelbeersträuchern und Sumpf-Reitgras, Reischgras genannt, wirken die abgestorbenen Stämme und Stümpfe wie unwirkliche Skulpturen. Wer über eine treppenartige Passage die Bergwachthütte erreicht, hat es fast geschafft. Denn die bizarre Gipfelformation liegt nur wenige Meter entfernt am Ende eines Stichweges.

Blick vom Gipfel des Großen Rachel zur tschechischen Grenze

Der Gipfel des Großen Rachel (1453m) besteht aus zerklüfteten Gneisfelsen. Auf dem allerhöchsten Punkt steht ein Meißelzeichen, das die Gemeinden St.Oswald (Aufstiegspassage), Spiegelau (kommender Abstieg) und Frauenau voneinander trennt. Die Spitze des Gipfelkreuzes liegt bereits höher als der Gipfel des Großen Arbers, der den Großen Rachel nur um schlappe drei Meter überragt. An der Grenze entlang in Richtung Norden grüßt von tschechischer Seite der Mittagsberg (Poledník, 1315 m). Sein heutiger Aussichtsturm diente zu Zeiten des Kalten Krieges demselben militärischen Zweck wie die kugelförmigen Radarstationen auf dem Arber auf deutscher Seite im Nordwesten.

Das Gröbste ist geschafft!

Zum Waldschmidthaussteigen wir an der Bergwachthütte vorbei bergab und lassen die schwierigste Passage der Wanderung hinter uns. Von Weitem sieht die Einkehr aus wie ein nettes Hexenhäuschen. Zwar gibt es im Waldschmidthaus keine Lebkuchen, doch Pächter und Koch Kurt Eibl genießt wegen seines schmackhaften wie gehaltvollen Kaiserschmarrns einen guten Ruf. An der Theke bedient man sich selbst. Sitzplätze gibt es in der gemütlichen Stube, dem Wintergarten sowie vor und neben dem Haus. Bilder im Wintergarten zeigen, wie der Rachelgipfel vor dem Befall mit Borkenkäfern aussah.

Übrigens: Die Hütte trägt die offizielle, jedoch für diese Höhe ungewöhnliche Hausnummer »Klingenbrunn (Bahnhof) 30«, sie befindet sich zudem nicht im Besitz des Wald-Vereins, sondern in privater Hand. Ein kurzer Stichweg führt vom Waldschmidthaus zu einer gesicherten Kanzel mit herrlichem Seeblick.

Der Abstieg auf der Forststraße beginnt sanft. An der nach gut 5 Minuten folgenden Wanderkreuzung wechseln wir vom »Auerhahn« zum »Bärlapp«. Auf dem Klingenbrunner Rachelsteig geht es nun deutlich sowie geradlinig talwärts, zwischen Buchen und Fichten teils auf einem Hohlweg. Kurz hinter der Schutzhütte Emeiriegel treffen wir auf eine Forststraße. Von dort aus nach links erreichen Wanderer in gut 20 Minuten Gfäll.

Abstiegsvariante via Forststraße

Variante: Abstieg via Forststraße. Anstatt auf den Klingenbrunner Rachelsteig zu wechseln, können Wanderer ab dem Waldschmidthaus komplett auf der Forststraße am Lieslbrunnen vorbei zum Gfäll-Bushalt talwärts steigen. Nach der scharfen Rechtskehre verläuft diese Strecke überraschend steil bergab. Im Vergleich zum Klingenbrunner Steig spart man gut 15 Minuten.

Karte auf den grossen Rachel

Karte auf den grossen Rachel

Tourencharakter:
Eine herrliche Aussicht genießen Wanderer vom zweithöchsten Berg des Bayerwaldes. Einstieg auf einfachem Wald- und Forstweg, Gipfelsturm zuletzt auf steilem und steinigem Pfad.
Ausgangs-/Endpunkt:
Igelbus ab Park+Ride Spiegelau (von der Hauptstr. auf Höhe der Tourist-Info zwischen den Supermärkten hinab), Abfahrt ab 8.35 Uhr halbstündlich (einfache Strecke Erw. 1,50 EUR, 6–14 Jahre 0,50 EUR, www.bayerwald-ticket.com)
Anfahrt:
Via Zwiesel od. Eppenschlag od. Grafenau od. Neuschönau; Waldbahn, Igelbus
Gehzeiten:
Gfäll (950 m) – Rachelsee gut 1.15 Std. (gut 4 km); Rachelsee (1070 m) – Rachelkapelle knapp 0.45 Std. (1,5 km); Rachelkapelle (1210 m) – Rachel gut 0.45 Std. (1,5 km); Rachel (1453 m) – Waldschmidthaus 0.15 Std. (0,5 km); Waldschmidthaus (1360 m) – Klingenbrunner Steig – Gfäll gut 1 Std. (3,5 km)
Markierung:
»Auerhahn« bis zum Waldschmidthaus; Abstieg »Bärlapp« (Gfäll via Klingenbrunner Rachelsteig)
Essen und Trinken:
Waldschmidthaus
Tourist-Info:
Touristinformation, Konrad-Wilsdorf-Str. 1, 94518 Spiegelau, Tel. 08553/96 00 17, www.spiegelau.de
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