Grenzkamp am Dreisessel

Der Dreisesselberg aus der Ferne betrachtet

Grenzkamp Dreisessel Bayerischen Wald -Dreisesselberg

Durch drei Länder zum Denkmal über dem See – Grenzkamp Dreisessel Bayerischen Wald

»Auf diesem Anger, an diesem Wasser, ist der Herzschlag des Waldes.« Der Obelisk, der diesen Ausspruch des Dichters Adalbert Stifter ziert, steht über dem Plöckensteinsee, dem Wendepunkt unserer Wanderung.

Die Granite, die unterwegs herausragen, zählen zu den schönsten Geotopen Bayerns. Das Steinerne Meer und die geschichteten Formationen rund um den Berggasthof beeindrucken besonders. Wo sich der Borkenkäfer nimmersatt seinen Weg fraß, freuen sich positiv Denkende über den Eigensinn der Natur und die Fernsicht.

Grenzkamp Dreisessel Bayerischen Wald – Die Wanderung beginnt

Ab Wanderparkplatz marschieren wir auf Asphalt bergauf. Gleich zu Beginn der lang gezogenen Serpentine orientieren wir uns an den Pfeilen zum Adalbert-Stifter-Steig und biegen nach rechts ab, 100 Meter weiter liegt links der eigentliche Einstieg. Der nach dem bekannten Böhmerwald-Dichter benannte Steig verläuft gut 50 Höhenmeter unterhalb des Hauptkamms in etwa an der Höhenlinie entlang in Richtung Steinernes Meer, das wir nach rund einer Stunde erreichen. Wie drei Stein gewordene Wellen wirken die Zungen des flechtenbewachsenen Blockstroms. Dazwischen wachsen Latschenkiefern neben abgestorbenen Fichten. Ist das eiszeitliche Steinmeer durchquert, bringt uns der Seesteig hinauf zum Dreiländereck.

Das Dreiländereck auf der Wandertour zum Grenzkamp Dreisessel Bayerischer Wald

Das mächtige Stifter-Denkmal im Hintergrund der Moldaustausee

Grenzkamp Dreisessel Bayerischen Wald – Stifter-Denkmal

Das Dreiländereck, auch Dreiecksmark genannt, liegt zwischen dem Bayerischen und dem Österreichischen Plöckenstein. Den von Heidelbeersträuchern und Baumskeletten dominierten Sattel markiert ein wuchtiger Granit-Obelisk mit den Wappen der drei angrenzenden Länder. Bänke laden zur Rast ein. An der Grenze entlang in Richtung Osten erreichen wir eine Kuppe mit dem unauffälligen Adalbert-Stifter-Dachl, dann taucht im Hintergrund der Moldaustausee auf. Durch eine Senke mit Bohlenweg gelangen wir zum Österreichischen Plöckenstein, von wo aus der Pfad nach links hinein in die Tschechische Republik weist. Aufrecht stehende Baumskelette und kreuz und quer liegende, morsche Baumstämme verraten, dass wir uns auf dem Gebiet des National- parks Böhmerwald (Šumava) bewegen. Interessant, dass sich im Schutz des Totholzes der Jungwald besser entwickelt als auf österreichischer Seite, auf der der Kammwald bewirtschaftet wird, worauf glatt abgeschnittene Baumstümpfe hinweisen.

Das Adalbert-Stifter-Denkmal ragt mit seinen 14,5 Meter Höhe deutlich aus dem lichten Bergwald heraus. Neben dem elf Jahre nach dem Tod des Dichters im Jahre 1877 eingeweihten Granit-Obelisken liegt eine Aussichtskanzel. Von dort blicken wir durch die überraschend steile Seewand 200 Meter hinab auf den Plöckensteinsee (Plešné jezero). »Lieg in hohes Gras gestrecket, schaue sehnend nach der Felswand«, fasste Stifter die Atmosphäre dieses Ortes einst in Worte. Als der Dichter die Zeilen schrieb, waren freilich weder in Richtung Südosten der Moldaustausee (Údolni nádrž Lipno) noch in Richtung Nordosten die dampfenden Kühltürme des umstrittenen tschechischen Atomkraftwerks Temelin zu sehen.

Der Abstieg an den Ländergrenzen entlang – Grenzkamp Dreisessel Bayerischen Wald

Der Rückweg führt uns zunächst wieder hoch zum Österreichischen Plöckenstein sowie an der Grenze entlang zum Dreiländereck. Danach marschieren wir am Hochkamm entlang über den Bayerischen Plöckenstein weiter in Richtung Westen. Die Kammlage bildet sowohl die deutsch-tschechische Grenze als auch die Wasserscheide zwischen Donau und Moldau. In Richtung Dreisesselberg begegnet uns typisch geschichteter Granit. Nach der letzten Senke entscheiden wir uns zwischen einem Wanderweg und der Asphaltstraße hoch zum Berggasthof.

Im Berggasthof Dreisessel bedienen sich Wanderer, die draußen sitzen, selbst. Auf Tafeln an der Ausgabe werden eine Reihe einfacher Gerichte angeboten, darunter eine kräftige Erbsensuppe mit Wienerwürsten. Neben der Eingangstür zu den geräumigen Gastzimmern hängt eine Karte mit Hauptgerichten, darunter Schweinebraten oder Germknödel. Diese Speisen können ebenfalls an der Ausgabe bestellt werden, allerdings nur bis etwa 15 Uhr. Neben dem Gasthof führen 40 in Stein gehauene Stufen hinauf auf den 1312 Meter hohen Dreisesselfels. Einer Sage nach suchen jedes Jahr in der Dreikönigsnacht drei verwunschene Prinzessinnen die Steinsitze auf dem Granitturm heim.

Karte Grenzkamm am Dreisessel

Karte: Grenzkamp Dreisessel Bayerischen Wald

Der Hochstein lässt sich über einen geschotterten Weg schnell erreichen. Vom Felsfuß benötigen Gipfelstürmer 100 Schritte hinauf zum Holzkreuz, dessen Sockel den Dreisesselfels um 21 Meter überragt. Der beste Rundblick der Tour reicht weit hinein in die Nationalparks diesseits und jenseits der Grenze. Im Vordergrund fallen der benachbarte Haidel mit seinem Sendemasten, davor das bayerische Grenzdorf Haidmühle ins Auge sowie im Hintergrund Wallern (Volary) auf tschechischer Seite. Vom Hochstein geht es zurück zum Berggasthof sowie auf Asphalt hinab zum Parkplatz.

Tourencharakter:
Großartiger Granit begleitet uns auf dieser anspruchsvollen Runde über sonnige Höhenlagen zu lohnenden Aussichtspunkten in Deutschland, Österreich und in der Tschechischen Republik. Beim sanften Auf und Ab der durchgängig sehr steinigen Pfade werden erstaunlich viele Höhenmeter gesammelt. Zubringer vom/zum Parkplatz Asphalt.
Ausgangs-/Endpunkt:
Wanderparkplatz Dreisessel (1230 m; EUR 1,50)
Anfahrt:
Von Norden via Philippsreut, von Süden via Neureichenau, jeweils bei Frauenberg abbiegen und hoch zum Wanderparkplatz Dreisessel am oberen Ende der Bergstraße.
Gehzeiten:
Wanderparkplatz Dreisessel (1230 m) – Steinernes Meer (1300 m) – Dreiländereck 1.30 Std. (3,5 km); Dreiländereck (1320 m) – Adalbert-Stifter-Denkmal gut 0.45 Std. (2 km); Denkmal (1300 m) – Dreiländereck – Hochkamm – Berggasthof gut 2 Std. (knapp 5,5 km); Berggasthof (1302 m) – Hochstein (1333 m) – Berggasthof – Wanderparkplatz
Markierung:
Am besten den Richtungspfeilen folgen
Essen und Trinken:
Berggasthof Dreisessel; Gut Riedelsbach der Fam. Sitter (via Neureichenau; Do geschl.)
Tourist-Info:
Tourismusbüro, Dreisesselstr. 8, 94089 Neureichenau, Tel. 08583/ 96 01 20, www.neureichenau.de
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